Darüber, welche Musik die Wikinger gemacht haben, ist wenig bekannt. Der orientalische Händler At Tartuschi berichtete allerdings, er habe niemals schrecklichere Lieder gehört, wie die der Wikinger in Schleswig; das Knurren aus ihren Kehlen erinnere ihn an das Geheule von Hunden – es sei nur noch animalischer. Nunja, vielleicht hat er ja auch einem schamanischen Ritual beigewohnt oder hat einfach miese Sänger erwischt.

Bei den Wikingern gab es im Wesentlichen zwei Arten von Musikern: Zum einen die wenig angesehenen Jester, die nur dann und dann nur schwerlich überleben konnten, wenn sie wirklich gut waren; zum anderen die hochgeschätzten Skalden, die über das Land zogen und auf den Höfen Loblieder auf die jeweiligen Fürsten sangen. Das mag an die hierzulande heute übliche Trennung zwischen U- und E-Musik erinnern.

Tatsache ist, dass lediglich einige Musikinstrumente wie Flöten, Lyren oder Hörner gefunden wurden. Natürlich wurden dazumal keine Melodien notiert, man geht aber davon aus, dass sich einige davon in isländischen Volksliedern ansatzweise erhalten konnten. Hier sind vor allem zwei Liedformen zu erwähnen, deren Geschichte bis ins Mittelalter zurückreicht und die immer noch gesungen werden: Rímur und Tvísöngvar.

Rimur sind eigentlich in modalen Skalen vertonte Gedichte, die bestimmten Silben- und Stabreimschemata gehorchen. Man kann davon ausgehen, dass die isländischen Sänger diese exzessiv genutzt haben, um ihre Geschichten zu erzählen. Dabei konnte ein Lied aus Dutzenden von Strophen bestehen.

Tvísöngvar sind eines der ältesten Beispiele von Mehrstimmigkeit. Kennzeichnend ist die Verwendung von parallelen Quinten, wobei sich die Stimmen auch überkreuzen. Damit ist der Tvisong dem kirchlichen Organum ähnlich. Ein Tvísong ist vorzugsweise in einer lydischen Tonart gehalten.

 


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